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[2.1] Story, Plot und Erzählung

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Wir kennen die Situation. Wir waren mit ein paar Freunden im Kino, gehen hinterher alle noch in ein Restaurant oder in ein Bistro und unterhalten uns dort über den Film, den wir gerade gesehen haben. Dabei fallen dann wahrscheinlich Kommentare wie: »Der Film war geil!«, »Nee, der war öde!«, »Die Handlung hat nix getaugt!«, »Mir hat die Story nicht gefallen!«, »Süße Geschichte!«, »Blöder Plot!«, »Cool erzählt« ... und so weiter.

Und obwohl bei so einer Unterhaltung in der lockeren Runde die Begriffe »Story«, »Geschichte«, »Handlung«, »Plot« und »Erzählung« munter durcheinandergeworfen werden, versteht jeder den anderen. Das ist gut so und in dieser Situation vollkommen ausreichend. Aber als Autor, also als jemand, der Geschichten schreiben will und deshalb auch zwingend Geschichten verstehen muss, müssen wir uns wesentlich präziser ausdrücken, wenn wir über den Inhalt und die Struktur von Romanen, Filmen und Theaterstücken sprechen – ganz egal, ob es unsere eigenen Kreationen sind oder nicht.

Denn tatsächlich gibt es einen fest definierten Unterschied zwischen den Begriffen »Geschichte« (bzw. »Story«), »Handlung« (bzw. »Plot«) und »Erzählung« (bzw. »Narration«). Diese Definition wurde vor knapp 100 Jahren von E. M. Forster in seiner Abhandlung Aspects of the Novel getroffen und ist dermaßen einfach und präzise, dass sie auch heute noch in den Welten des Kreativen Schreibens und der Erzähltheorie ohne Einschränkung gültig ist.

Hier ist sie:

● Die »Story« (die »Geschichte«) beschreibt Forster als den rein zeitlichen Ablauf von Ereignissen: Der König starb und dann starb die Königin.
● Der »Plot« (die »Handlung«) erklärt nach Forster dann den kausalen Zusammenhang der Ereignisse: Der König starb und dann starb die Königin aus Kummer.

Was jetzt noch bleibt, ist der Begriff der »Erzählung«. Die »Erzählung« (die »Narration«) bestimmt letzten Endes, in welcher Reihenfolge der Erzähler die Ereignisse erzählt. Diese Reihenfolge kann mit dem tatsächlichen Ablauf übereinstimmen (Der König starb und dann starb die Königin aus Kummer), muss es aber nicht (Aus Kummer starb die Königin nach dem Tod des Königs).

Auch kann der Erzähler immer wieder frei bestimmen, ob er in seiner Erzählung nur den rein zeitlichen Ablauf der Ereignisse schildert oder auch deren kausalen Zusammenhang erläutert. Es liegt also in der alleinigen Entscheidungsgewalt des Erzählers, wann er Dinge einfach nur zeigt und wann er Dinge erklärt.

So viel also erst einmal zur Definition von Geschichte, Handlung und Erzählung. Gerade weil es sich hierbei um Basisbegriffe des Kreativen Schreibens handelt (ohne die man nicht weit kommt), werde ich im folgenden Abschnitt nicht gleich zum nächsten Thema springen, sondern erst einmal noch ein paar Hinweise zur Gültigkeit und zur Sprache von Forsters Definition geben. Gleich anschließend werde ich zeigen, wann die erzählerische Variation des tatsächlichen Ablaufs von Ereignissen Sinn macht und wann nicht.

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[2] Story und Plot - Teil 1
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Inhaltsverzeichnis
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[2.2] Anmerkungen zu Story und Plot