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[0] Der Anfang der Geschichte

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Vor einiger Zeit kam meine Tochter, die damals die achte Klasse der Realschule besuchte, mit einer Deutschhausaufgabe nach Hause, in der es darum ging, eine Kurzgeschichte zu analysieren. Auch wenn meist meine Frau meiner Tochter hilft, wenn sie Fragen zu ihren Hausaufgaben hat, war hier klar, dass ich ihr diesmal helfen würde. Vor einiger Zeit kam meine Tochter, die damals die achte Klasse der Realschule besuchte, mit einer Deutschhausaufgabe nach Hause, in der es darum ging, eine Kurzgeschichte zu analysieren. Auch wenn meist meine Frau meiner Tochter hilft, wenn sie Fragen zu ihren Hausaufgaben hat, war hier klar, dass ich ihr diesmal helfen würde.

Um zu verhindern, dass ich andere Fachausdrücke für die Elemente des Kreativen Schreibens verwende, als die, die meine Tochter gerade gelernt hatte, las ich mir den Merkzettel durch, den sie zu dem Thema bekommen hatte – und war schockiert. Hier wurde sich nämlich keine – aber auch wirklich gar keine – Mühe gemacht, Kreatives Schreiben auch nur im Ansatz verständlich zu erklären. Stattdessen wurde gleich mit elitären Fachbegriffen wie Auktorialer Erzähler um sich geworfen, anstatt einfach erst einmal den selbsterklärenden Begriff des Allwissenden Erzählers in der 3. Person zu verwenden. Und so ging es weiter. Trotz meines Literaturstudiums und eines Abschlusses in Kreativem Schreiben konnte ich einen Text, der für Schüler der 8. Klasse Realschule geschrieben war, nur mit Mühe und Not verstehen. Was sollte das? Didaktisch war das Ding eine Katastrophe – oder besser gesagt eine wirklich miese Unverschämtheit!

Aber ich wurde auch neugierig und begann, mir andere deutsche Lehrtexte und Lehrbücher zu dem Thema anzusehen. Dabei ist mir recht schnell Folgendes aufgefallen:

Lehrbücher, die leicht verständlich formuliert waren, gingen meist nicht in die Tiefe, sondern kratzten lediglich an der Oberfläche des Kreativen Schreibens.
Texte, die sich intensiver mit dem Thema befassten (und zum Beispiel die verschiedenen Arten von Erzählperspektiven analysierten) waren oft so komplex und arrogant akademisch formuliert, dass man sie nur verstand, wenn man bereits im Vorfeld sehr genau wusste, worum es ging.

Und hier möchte ich Ansetzen und im Rahmen meiner Arbeit als Autor eine Lücke füllen. Ich möchte auf dieser Webseite zwei Dinge zeigen. Einmal, und das ist jetzt hoffentlich nicht zu abschreckend, dass Kreatives Schreiben ein sehr komplexes Thema ist, bei dem man oft sehr analytisch vorgehen und auch viele formelle Regeln beachten muss, wenn man einen funktionierenden und den Leser ansprechenden Text schreiben möchte. Das bedeutet zum Beispiel, dass man sich tatsächlich schon im Vorfeld intensiv mit dem Unterschied zwischen dem oben bereits erwähnten Allwissenden Erzähler in der 3. Person und dem Erzähler in der 3. Person mit Eingeschränkter Allwissenheit beschäftigen muss. Macht man das nicht, dann sind Konsistenzbrüche vorprogrammiert.

Aber, und das ist jetzt wirklich meine feste Überzeugung, ich möchte hier auch ganz klar zeigen, dass Kreatives Schreiben keine abgehobene, elitäre Kunst ist oder gar eine Eigenschaft, die die einen eben im Blut haben und die anderen eben nicht. Nein! Kreatives Schreiben ist ein Handwerk, das man lernen kann. Das man von Grund auf lernen kann. Ich werde deshalb in diesem Blog wirklich bei Null beginnen (Was überhaupt ist Kreatives Schreiben? Was ist der Unterschied zwischen Story, Plot und Erzählung?), alle Begriffe sauber erklären und am Schluss auch recht fortgeschrittene Themen wie zum Beispiel Szenen behandeln, die praktisch immer dafür verantwortlich sind, ob die Geschichte einen roten Faden hat und alle Handlungen der Figuren nachvollziehbar sind oder nicht. Wer hier patzt, verdirbt den Lesern den Spaß.

Und zum Schluss noch ein kurzer Hinweis. Auch wenn ich in der Regel versuche, in diesem Blog die deutschen Fachbegriffe des Kreativen Schreibens zu verwenden, gibt es einige Begriffe, für die es keine echte deutsche Übersetzung gibt (zum Beispiel »der plant«) oder für die sich der englische Begriff bereits so weit in der Alltagssprache durchgesetzt hat, dass man ihn auch im Duden finden kann (zum Beispiel »der Plot«). In diesen Fällen würde ich dann den englischen Begriff verwenden, aber den deutschen Begriff oder eine passende Übersetzung mindestens einmal in der einführenden Definition nennen.


Viel Spaß also beim Lesen und Schreiben.

Edgar Achenbach

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[1] Grundlagen